Für unseren Sammelband mit dem Arbeitstitel „Kritische trans* Theorie im deutschsprachigen Raum“ suchen wir noch Beiträge. Wir haben bereits etwa ein Dutzend trans* Autor*innen an Bord und freuen uns über Vorschläge für weitere Texte im Umfang von 5,000 Worten, insbesondere zu den folgenden Themen:
- (Trans*) Critical Race Perspektiven und/oder Critical Race Perspektiven auf trans* in Deutschland
- (Trans*) Perspektiven auf Palästina / Israel in deutschen (trans*) Diskursen und politischen Bewegungen
- Geschichte der (akademischen) Institutionalisierung von trans* Theorien in Deutschland
- …
Wir freuen uns über einen Abstract (max. 250 Wörter) bis zum 15. Oktober an samuelle.striewski@politics.ox.ac.uk„>samuelle.striewski@politics.ox.ac.uk. Teilt uns gerne mit, in welchem der drei Buchteile ihr euch verortet (siehe unten). Wir werden uns bis Ende Oktober zurückmelden. Der erste Entwurf des Textes sollte bis März 2027 eingereicht werden. Danach wird er durch zwei Editionsrunden gehen. Geplant ist die Veröffentlichung des Sammelbandes im Frühjahr/Sommer 2028.
Hintergrund:
In den letzten Jahren hat sich unter deutschsprachigen trans*Aktivist*innen und politischen Theoretiker*innen ein komplexes Geflecht politischer Analysen herausgebildet, die trans* Geschlechtlichkeit im Verhältnis zu und als Spiegel von gesamtgesellschaftlichen Transformationen verstehen. Dies geschieht zunehmend über die bloße Übersetzung von US-amerikanischen Denkfiguren und Debatten hinaus, die bisher auch im deutschsprachigen Raum dominant waren. Auf Grund der nach wie vor bestehenden Ausschlüsse in akademischen und politischen Kontexten finden diese Analysen aber weder in Universitäten noch in der breiteren Öffentlichkeit nachhaltig Gehör. Anstatt zum Beispiel über das Selbstbestimmungsgesetz zu sprechen, laden Universitäten lieber namhafte Akademiker*innen aus dem US Kontext ein. Die bloße Transposition tendiert dazu, lokal spezifische Komplexe unbeleuchtet zu lassen oder sogar unsichtbar zu machen, während es gleichzeitig die Herausbildung akademischer Ressourcen verhindert, die in lokalen politischen Auseinandersetzungen verwertbar sein könnten. Beispiele sind das Selbstbestimmungsgesetz, Israel/Palästina, Europäische Vernetzung oder die Krise der geschlechtsaffirmierender Gesundheitsversorgung in der Bundesrepublik. Unser Band will das ändern. Mit Beiträgen von erfahrenen wie angehenden deutschsprachigen trans* und trans* solidarischen Autor*innen wollen wir ein Buch bereitstellen, dass der politischen Öffentlichkeit diese komplexeren Auseinandersetzungen zugänglich machen kann und Raum für die interne Pluralität der verschiedenen Positionen innerhalb der deutschsprachigen trans* Community bietet. Den Begriff „trans*“ verwenden wir durchgehend in einem offenen Sinn, und er soll u.a. Ankerpunkt sein, um die Erfahrungen von transgender, transsexuellen, nicht-binären, a-gender und gender-questioning Personen zu zentrieren. Der Sammelband ist interdisziplinär angelegt, vereint also philosophische Begriffsarbeit mit historischen und empirischen, sowie medizinischen, politischen, ästhetischen, und soziologischen Perspektiven.
Wir planen die folgende Struktur:
(1) Empirische und historische Perspektiven (historischer und juristischer Kontext, TSG/SBGG, BRD/DDR, trans* während Kolonial- und NS-Zeit, …)
(2) Ideologiekritik gegenwärtiger (anti-)trans* Diskurse (TERF-Ideologien, Verhältnis von trans* und Faschismus, Rassismus, Pinkwashing und Kapitalismus, trans* Misogynoir, …)
(3) Trans* kritische Theorie und Utopien (gute Gesetze, zukunftsweisende Methodologien, produktive Normen für Politik, Medizin, Kunst – und was ist eigentlich mit cis-endo Menschen nach der Revolution?)
Diese Dreiteilung ermöglicht eine argumentative Progression von der konkreten empirisch-historischen Bestandsaufnahme über eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Debatten bis hin zur Diskussion zukunftsfähiger Modelle von trans* Politik. Vor diesem Hintergrund verorten wir unser Projekt im größeren Ensemble kritischer Theorien (mit kleinem „k“). Neben einer kritischen Einführung in relevante gegenwärtige Debatten soll das Buch durch die eher essayistische Form der Beiträge auch für ein nicht-akademisches Publikum (Menschen aus der LGBTQIA+ Community, andere progressive Aktivist*innen und Parteien, eine interessierte Öffentlichkeit, usw.) verständlich und anregend sind.
Wir haben bereits gezielt Autor*innen angefragt, die durch deutschsprachige Publikationen zu trans* politischen, rechtlichen, historischen und theoretischen Fragestellungen ausgewiesen sind. Zum aktuellen Zeitpunkt möchten wir den Pool der Beitragenden noch um weitere etablierte wie marginalisierte Perspektiven aus Wissenschaft, Journalismus und Aktivismus erweitern, um dem breiten gegenwärtigen Spektrum kritischer trans* Theorie besser gerecht zu werden.
Wir freuen uns auf eure Einreichungen!
Luce deLire und Samu/elle Striewski (die Hrsg.)