Rilke and Philosophy / Rilke und die Philosophie

Deadline: 31.12.2026

Rilke and Philosophy – Historical and Systematic Analyses, edited by Moritz R. Pretzsch and Jan Kerkmann, 2027.

Rilke and Philosophy
(English version below)

Call for Papers für den Sammelband:

Rilke und die Philosophie – historische und systematische Analysen
hrsg. von Moritz R. Pretzsch und Jan Kerkmann, 2027
Call for Papers

„Rilke und die Philosophie“ bezeichnet ein ebenso vielschichtiges wie spannungsreiches Verhältnis. Rainer Maria Rilke verstand sich weder als Philosoph noch als Vertreter eines geschlossenen Weltbildes. Gleichwohl gehört sein Werk zu den philosophisch herausforderndsten Zeugnissen der literarischen Moderne. Seine Dichtung entwickelt eine eigenständige Form poetischen Denkens, in der fundamentale Fragen nach Sein, Welt, Sprache, Kunst, Zeit, Tod, Liebe, Subjektivität und Transzendenz in dichterischer Gestalt zur Sprache kommen. Rilkes Texte formulieren keine systematischen Lehrgebäude; sie erschließen vielmehr Erfahrungs- und Erkenntnisformen, die sich einer rein begrifflichen Erfassung entziehen und gerade dadurch die philosophische Reflexion in besonderer Weise herausfordern. Ihre philosophische Produktivität liegt nicht zuletzt darin, dass sie die Frage aufwerfen, ob Dichtung dort Erkenntnis ermöglichen kann, wo begriffliches Denken an seine Grenzen gelangt.

Rilkes Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Philosophie, Religion und Kunst. Es steht in einem intensiven Dialog mit philosophischen und theologischen Traditionen, ohne sich einer bestimmten Schule oder Denkbewegung zuordnen zu lassen. Seine Dichtung entwickelt eine eigene Form der Welterschließung, in der Anschauung, Sprache, Form und Existenz untrennbar miteinander verbunden sind. Dabei geht es nicht bloß um die poetische Gestaltung philosophischer Motive, sondern um eine genuine Denkbewegung der Dichtung selbst. Rilkes Texte fragen danach, wie Welt sichtbar, sagbar und erfahrbar wird; sie erkunden, wie sich Wirklichkeit im Medium der Sprache verwandelt und wie der Mensch im dichterischen Sagen zu einem neuen Verhältnis zu den Dingen, zu sich selbst und zum Sein gelangen kann.

Besonders charakteristisch ist dabei Rilkes Denken der Form. Form ist bei ihm nicht bloß ästhetische Gestalt, sondern eine Weise, Wirklichkeit zu ordnen, zu verdichten und neu erfahrbar zu machen. In diesem Sinne ist Rilkes Dichtung eng mit einem „neuen Sehen“ verbunden, das den Dingen ihre Eigenständigkeit zurückgibt und zugleich die Beziehung des Menschen zur Welt verändert. Die poetische Sprache wird zur „Ortschaft der Worte“, in der sich Sein, Wahrnehmung und Ausdruck gegenseitig durchdringen. Dichtung ist bei Rilke daher weder bloße subjektive Innerlichkeit noch dekorative Sprachkunst. Sie ist Arbeit an der Sichtbarkeit der Welt und zugleich Arbeit am eigenen Dasein.

Rilkes Werk entstand in einer Zeit tiefgreifender geistiger Umbrüche. Zwischen dem Zerfall metaphysischer Gewissheiten, den Herausforderungen der wissenschaftlich-technischen Moderne, dem starken Fortschrittsglauben und der Krise religiöser Sinnordnungen suchte er nach neuen Möglichkeiten des Welt- und Selbstverständnisses. Dabei setzte er sich mit philosophischen und religiösen Denkformen auseinander, ohne sie jemals systematisch zu übernehmen. Die Auseinandersetzung mit Arthur Schopenhauer, Søren Kierkegaard und Friedrich Nietzsche gehört ebenso zu seinem geistigen Horizont wie die Beschäftigung mit der christlichen Mystik, insbesondere Meister Eckhart, sowie mit biblischen und patristischen Traditionen. Seine Russlandreisen führten ihn in die Welt der orthodoxen Frömmigkeit und der russischen Religionsphilosophie; seine Begegnungen mit Lou Andreas-Salomé, Auguste Rodin und Paul Cézanne prägten sein Verständnis von Existenz, Form, Arbeit, Wahrnehmung und künstlerischer Erkenntnis nachhaltig.

Gerade Lou Andreas-Salomé kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. In der Beziehung zu ihr verdichten sich Fragen nach Leben und Werk, Hilfe und Selbsthilfe, Dichtung und Selbstverwandlung. Rilkes Schreiben lässt sich in dieser Perspektive auch als eine Form existenzieller Arbeit verstehen, in der Denken und Dichten therapeutische, orientierende und verwandelnde Kraft gewinnen. Die Dichtung wird zu einem Medium, in dem Vergangenes neu lebendig werden kann und in dem sich aus Erfahrung, Erinnerung und Schmerz eine neue Gestalt des Lebens bildet. Kunst erscheint nicht als Flucht aus der Wirklichkeit, sondern als mühevolle Arbeit an ihr.

Auch Rodin und Cézanne wurden für Rilkes poetisches Denken entscheidend. Von Rodin lernte Rilke die Strenge der Arbeit, die Geduld der Form und die Konzentration auf das Ding. Cézannes Kunst wiederum eröffnete ihm eine neue Weise des Sehens, in der die Dinge nicht bloß als Gegenstände subjektiver Wahrnehmung erscheinen, sondern in ihrer eigenen Gegenwart, Dichte und Stille hervortreten. Die Stille, die um die Dinge ist, wird bei Rilke zu einem philosophisch bedeutsamen Erfahrungsraum: Sie verweist auf jene Dimension der Welt, die sich nicht unmittelbar begrifflich aneignen lässt, sondern nur in behutsamer Anschauung und dichterischer Verdichtung zugänglich wird.

Vor diesem Hintergrund erscheint Philosophie bei Rilke weniger als akademische Disziplin denn als Teil einer umfassenden geistigen Suche nach einer angemessenen Weise des Sehens, Denkens und Sprechens. Seine Dichtung bewegt sich zwischen Zugehörigkeitsgefühl und existenzieller Haltlosigkeit, zwischen Weltverbundenheit und Einsamkeit, zwischen Leib und Geist, Endlichkeit und Transzendenz. Immer wieder führt sie in Zustände des Innehaltens und der Schwebe, in denen vertraute Sicherheiten zerfallen und neue Möglichkeiten des Weltbezugs sichtbar werden. Gerade diese Schwebezustände gehören zu den philosophisch fruchtbarsten Momenten seines Werks.

Ferner verdienen auch Rilkes Berührungspunkte mit östlichen Denktraditionen Aufmerksamkeit. Zwar lässt sich weder eine systematische Rezeption des Buddhismus noch des Daoismus nachweisen; gleichwohl sind in seinem Werk wiederholt Motive erkannt worden, die an Vorstellungen von Gelassenheit, Wandlung, Leere, Nicht-Verfügbarkeit und einer vertieften Einheit allen Lebendigen erinnern. Solche interkulturellen Perspektiven eröffnen neue Möglichkeiten, Rilkes Dichtung im Horizont einer vergleichenden Philosophie zu lesen und sie zugleich für gegenwärtige Debatten über Weltbezug, Selbstverhältnis und Transzendenz fruchtbar zu machen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen darüber hinaus die philosophischen Leitbegriffe seines Werks. Konzepte wie Ding, Verwandlung, Weltinnenraum, Engel, Tod, Liebe, Offenheit oder Gesang lassen sich weder ausschließlich poetologisch noch ausschließlich metaphysisch verstehen. Vielmehr bilden sie Knotenpunkte eines Denkens, das ontologische, anthropologische, erkenntnistheoretische, ethische und religionsphilosophische Dimensionen miteinander verbindet. Die Neuen Gedichte, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, die Duineser Elegien und die Sonette an Orpheus gehören daher zu denjenigen Werken der europäischen Moderne, in denen philosophische Fragestellungen nicht lediglich aufgenommen, sondern in poetischer Form transformiert und weiterentwickelt werden.

Von besonderer philosophischer Tragweite ist dabei Rilkes Verständnis des Sehens. Seine Dichtung zielt auf eine neue Weise der Wahrnehmung, in der die Dinge nicht länger bloße Objekte menschlicher Verfügung bleiben, sondern in ihrer eigenen Gegenwart erscheinen dürfen. Das dichterische Sehen eröffnet einen Weltbezug, der Anschauung und Erkenntnis, Nähe und Distanz, Offenheit und Form in ein produktives Spannungsverhältnis setzt. Gerade hierin liegt die eigentümliche Aktualität seines Werkes. Rilkes Dichtung erinnert daran, dass Erkenntnis nicht allein im begrifflichen Zugriff besteht, sondern ebenso in einem geduldigen, aufmerksamen und verwandelnden Wahrnehmen der Wirklichkeit.

Ebenso grundlegend ist Rilkes Verständnis des Seins. Sein Werk kreist um die Frage, wie menschliches Dasein angesichts von Endlichkeit, Vergänglichkeit und geschichtlicher Unsicherheit überhaupt gelingen kann. Wiederkehrende Motive der Einsamkeit, der existenziellen Haltlosigkeit und der Suche nach Zugehörigkeit verweisen dabei nicht auf bloße biographische Erfahrungen, sondern auf Grundstrukturen menschlicher Existenz. Immer wieder führt Rilkes Dichtung in Schwebezustände, in denen gewohnte Sicherheiten außer Kraft gesetzt werden und neue Möglichkeiten des Selbst- und Weltverständnisses sichtbar werden. Diese Bewegung einer „Wendung ins Eigene“ bedeutet keinen Rückzug aus der Welt, sondern die Suche nach einer vertieften Form des In-der-Welt-Seins.

Hiermit verbindet sich zugleich eine bemerkenswerte Reflexion über das Verhältnis von Leben und Werk. Dichtung erscheint bei Rilke nicht lediglich als ästhetische Produktion, sondern als Lebensform, als geistige Übung und als fortwährende Arbeit an der eigenen Existenz. Kunst besitzt in diesem Sinne eine orientierende und nicht selten therapeutische Funktion. Sie eröffnet Möglichkeiten der Selbstbildung, der Selbstverständigung und der existenziellen Verwandlung, ohne jemals auf bloße Selbstausdrucksästhetik reduziert werden zu können. Die vielfach beschriebene Einheit von Leben und Arbeiten bildet daher einen zentralen Schlüssel zum Verständnis seines poetischen Denkens.

Nicht zuletzt kreist Rilkes Werk um das Verhältnis von Leib und Geist. Seine Dichtung überwindet traditionelle Dualismen, indem sie Körperlichkeit, Wahrnehmung und Geistigkeit als wechselseitig aufeinander verwiesene Dimensionen menschlicher Existenz versteht. Gerade hierin liegt ihre Nähe sowohl zur Phänomenologie als auch zu neueren Debatten der philosophischen Anthropologie. Zugleich gewinnt der berühmte Gedanke der Sonette an Orpheus, dass „Gesang Dasein ist“, eine weit über die Literatur hinausreichende philosophische Bedeutung. Dichtung erscheint nicht als ornamentaler Zusatz zum Leben, sondern als eine Weise, Wirklichkeit hervorzubringen, Welt zu eröffnen und menschliches Dasein zu vollziehen.

Gerade an dieser Stelle wird sichtbar, weshalb Rilkes Werk bis heute eine außergewöhnliche philosophische Faszination ausübt. Seine Gedichte erschließen Erfahrungsräume, in denen Sprache nicht lediglich Wirklichkeit beschreibt, sondern sie in neuer Weise sichtbar werden lässt. Immer wieder führen sie an jene Grenze, an der begriffliches Denken an seine Möglichkeiten stößt und poetische Sprache eine eigene Form der Erkenntnis eröffnet. Die vielfach hervorgehobene sprachliche Strenge, formale Vollendung und existenzielle Wahrhaftigkeit seiner Dichtung lassen sich daher nicht allein literarisch verstehen. Vielmehr begründen sie ihren Rang als philosophisches Ereignis. Rilkes Werk fordert dazu heraus, das Verhältnis von Dichtung und Denken, von Sprache und Sein sowie von Kunst und Wahrheit grundlegend neu zu bestimmen.

Nicht weniger bedeutsam ist Rilkes Wirkung auf die Philosophie des 20. und 21. Jahrhunderts. Die philosophische Tragweite seines Werks wurde bereits früh erkannt und insbesondere von Romano Guardini in ihrer religionsphilosophischen und existenziellen Dimension hervorgehoben. Kaum ein deutschsprachiger Dichter der Moderne hat die Philosophie in vergleichbarer Weise beschäftigt wie Rilke. Martin Heidegger griff seine Dichtung wiederholt für seine Überlegungen zu Sprache, Sein, Wohnen und dem Wesen der Dichtung auf; Hans-Georg Gadamer verstand sie als paradigmatischen Ort des Ineinanders von Dichtung, Erfahrung und Verstehen. Ebenso haben Emmanuel Levinas, Maurice Blanchot, Jacques Derrida, Michel Henry, Jean-Luc Marion und Giorgio Agamben Rilkes Werk im Zusammenhang mit Fragen der Alterität, der Phänomenologie, des Unsichtbaren, der Gabe, der Sprache und der Endlichkeit produktiv rezipiert. Auch in der Hermeneutik, Existenzphilosophie, philosophischen Anthropologie, Religionsphilosophie, Ästhetik und Kulturphilosophie hat Rilkes Dichtung bis heute nichts von ihrer philosophischen Strahlkraft verloren.

Gerade hierin liegt ihre anhaltende Aktualität. Angesichts gegenwärtiger Debatten über die Möglichkeiten und Grenzen sprachlicher Darstellung, die Krise traditioneller Sinnordnungen, das Verhältnis von Mensch und Welt, die Rolle ästhetischer Erfahrung sowie die Bedeutung poetischer Erkenntnis eröffnet Rilkes Werk einen Reflexionsraum von außergewöhnlicher philosophischer Fruchtbarkeit. Seine Texte erinnern daran, dass Welt nicht allein begrifflich erschlossen wird, sondern ebenso durch Wahrnehmung, Anschauung, Imagination und dichterische Sprache. Sie fordern dazu heraus, das Verhältnis von Philosophie und Literatur, von Denken und Dichten, von Rationalität und ästhetischer Erfahrung neu zu bestimmen. Gerade deshalb besitzt Rilkes Werk das Potential, gegenwärtige Debatten der Ontologie, Sprachphilosophie, Anthropologie, Religionsphilosophie und Ästhetik nachhaltig zu bereichern.

Vor diesem Hintergrund verfolgt der geplante Sammelband das Ziel, Rilkes Verhältnis zur Philosophie sowohl historisch als auch systematisch neu zu vermessen. Einerseits sollen die philosophischen Voraussetzungen, Kontexte und Gesprächspartner seines Werkes untersucht werden. Dabei können unter anderem Schopenhauer, Kierkegaard, Nietzsche, Meister Eckhart, die christliche Mystik, die russische Religionsphilosophie, Rodin, Cézanne, Lou Andreas-Salomé, die Lebensphilosophie oder die Phänomenologie in den Blick genommen werden. Andererseits soll die philosophische Wirkung Rilkes bis in die Gegenwart hinein untersucht werden. Im Mittelpunkt können hierbei unter anderem Heidegger, Guardini, Gadamer, Levinas, Blanchot, Derrida, Michel Henry, Jean-Luc Marion, Giorgio Agamben sowie neuere Ansätze der Hermeneutik, Phänomenologie, Religionsphilosophie, Sprachphilosophie, philosophischen Anthropologie und Kulturphilosophie stehen.

Der Sammelband versteht Rilkes Dichtung dabei ausdrücklich nicht lediglich als Gegenstand philosophischer Interpretation, sondern als eigenständigen Ort philosophischer Welterschließung. Leitend ist die Frage, welchen Beitrag poetisches Denken für philosophische Selbstverständigung leisten kann. In diesem Sinne möchte der Band Literatur und Philosophie nicht als voneinander getrennte Diskurse behandeln, sondern als sich wechselseitig bereichernde Formen menschlicher Welterfahrung und Erkenntnis.

Willkommen sind Beiträge, die sich unter anderem folgenden Themen widmen:
• Rilke und Arthur Schopenhauer
• Rilke und Søren Kierkegaard
• Rilke und Friedrich Nietzsche
• Rilke und Lou Andreas-Salomé
• Rilke und Auguste Rodin
• Rilke und Paul Cézanne
• Rilke und Meister Eckhart sowie die christliche Mystik
• Rilke und die russische Religionsphilosophie
• Rilke und das östliche Denken
• Rilke und die Religionsphilosophie
• Rilke und Martin Heidegger
• Rilke und Romano Guardini
• Rilke in Hermeneutik, Phänomenologie und Dekonstruktion
• Rilke und die philosophische Anthropologie
• Ontologie, Sein und Weltinnenraum
• Dinglichkeit, Form und poetische Erkenntnis
• Sprache, Schweigen und Wirklichkeit
• Leib, Geist und Existenz
• Zeit, Tod und Endlichkeit
• Ästhetik und Kunstphilosophie
• Dichtung als philosophisches Denken
• Poetische Erkenntnis und Wahrheit
• Die Aktualität Rilkes für philosophische Debatten des 21. Jahrhunderts

Selbstverständlich sind auch Beiträge willkommen, die weitere Aspekte des Verhältnisses von Rilkes Dichtung und philosophischem Denken behandeln.
Abstracts (in englischer Sprache) mit historisch oder systematisch orientierten Beitragsvorschlägen (max. 500 Wörter) können bis zum 31. Dezember 2026 an folgende E-Mail-Adressen gesendet werden:

jan.kerkmann@philosophie.uni-freiburg.de
moritzpretzsch@uni-kassel.de

Über die Annahme der Beiträge wird voraussichtlich bis zum 1. Februar 2027 entschieden.
Die vollständigen Beiträge (auf englisch, max. 60.000 Zeichen einschließlich Leerzeichen, Times New Roman, Zeilenabstand 1,5) werden bis zum 1. Juli 2027 erbeten.
Der Sammelband erscheint 2027 in einem renommierten internationalen wissenschaftlichen Verlag.

Englisch:

Rilke and Philosophy – Historical and Systematic Perspectives
Edited by Moritz R. Pretzsch and Jan Kerkmann, 2026/2027

Call for Papers
“Rilke and philosophy” designates a relationship as multifaceted as it is fraught with tensions. Rainer Maria Rilke understood himself neither as a philosopher nor as the proponent of a systematic worldview. Nevertheless, his work ranks among the most philosophically challenging achievements of literary modernism. His poetry develops a distinctive form of poetic thinking in which fundamental questions concerning being, world, language, art, time, death, love, subjectivity, and transcendence assume poetic form. Rilke’s writings do not articulate systematic doctrines; rather, they open up modes of experience and knowledge that resist purely conceptual comprehension and, precisely for this reason, pose a distinctive challenge to philosophical reflection. Their philosophical productivity lies not least in raising the question of whether poetry can yield knowledge where conceptual thought reaches its limits.

Rilke’s work occupies the intersection of philosophy, religion, and art. It engages intensively with philosophical and theological traditions without aligning itself with any particular school or intellectual movement. His poetry develops a distinctive mode of disclosing the world in which perception, language, form, and existence are inseparably intertwined. What is at stake is not merely the poetic treatment of philosophical motifs, but a genuine movement of thought enacted by poetry itself. Rilke’s writings ask how the world becomes visible, sayable, and experienceable; they explore how reality is transformed through the medium of language and how, through poetic speech, human beings may enter into a new relationship with things, with themselves, and with being.

Particularly characteristic in this regard is Rilke’s thinking of form. For him, form is not merely aesthetic configuration but a way of ordering, concentrating, and rendering reality newly experienceable. In this sense, Rilke’s poetry is closely connected with a “new seeing” that restores to things their independence while simultaneously transforming the human relationship to the world. Poetic language becomes an “Ortschaft der Worte” (“place of words”), in which being, perception, and expression permeate one another. Rilke’s poetry is therefore neither merely an expression of subjective inwardness nor decorative verbal art. It is a form of work upon the visibility of the world and, at the same time, upon one’s own existence.

Rilke’s work emerged during a period of profound intellectual upheaval. Amid the erosion of metaphysical certainties, the challenges posed by scientific and technological modernity, a powerful belief in progress, and the crisis of traditional religious frameworks of meaning, he sought new possibilities for understanding both world and self. In doing so, he engaged with philosophical and religious forms of thought without ever systematically adopting them. His engagement with Arthur Schopenhauer, Søren Kierkegaard, and Friedrich Nietzsche belongs to his intellectual horizon no less than his interest in Christian mysticism, particularly Meister Eckhart, as well as biblical and patristic traditions. His journeys to Russia brought him into contact with Orthodox spirituality and Russian religious philosophy, while his encounters with Lou Andreas-Salomé, Auguste Rodin, and Paul Cézanne had a lasting impact on his understanding of existence, form, work, perception, and artistic knowledge.

Lou Andreas-Salomé is of particular importance in this context. Rilke’s relationship with her brings into focus questions concerning life and work, help and self-help, poetry and self-transformation. From this perspective, Rilke’s writing may also be understood as a form of existential work in which thinking and writing acquire therapeutic, orienting, and transformative force. Poetry becomes a medium through which the past may be brought to life anew and through which experience, memory, and suffering may assume a new form of life. Art thus appears not as an escape from reality but as an arduous form of engagement with it.

Rodin and Cézanne likewise became decisive figures for Rilke’s poetic thinking. From Rodin, Rilke learned the discipline of work, the patience of form, and an intense concentration on the thing. Cézanne’s art, in turn, opened up a new mode of seeing in which things no longer appear merely as objects of subjective perception but emerge in their own presence, density, and silence. The silence surrounding things becomes, in Rilke, a philosophically significant realm of experience: it points towards a dimension of the world that cannot be immediately appropriated conceptually but becomes accessible only through attentive perception and poetic concentration.

Against this background, philosophy in Rilke appears less as an academic discipline than as part of a comprehensive intellectual and existential search for an adequate way of seeing, thinking, and speaking. His poetry moves between a sense of belonging and existential groundlessness, between connectedness to the world and solitude, between body and spirit, finitude and transcendence. Again and again, it leads into states of suspension and lingering in which familiar certainties dissolve and new possibilities of relating to the world become visible. These states of suspension are among the philosophically most productive moments of Rilke’s work.

Rilke’s points of contact with Eastern traditions of thought likewise deserve attention. Although there is no evidence of a systematic reception of either Buddhism or Daoism, scholars have repeatedly identified motifs in his work that resonate with notions of serenity, transformation, emptiness, non-availability, and a deeper unity of all living things. Such intercultural perspectives open up new possibilities for reading Rilke’s poetry within the horizon of comparative philosophy while also bringing it into dialogue with contemporary debates concerning world-relation, self-relation, and transcendence.

The philosophical key concepts of Rilke’s work likewise merit particular attention. Concepts such as thing, transformation, Weltinnenraum (“world inner space”), angel, death, love, openness, and song can be understood neither exclusively in poetological nor exclusively in metaphysical terms. Rather, they form nodal points of a mode of thinking that interweaves ontological, anthropological, epistemological, ethical, and religious-philosophical dimensions. The New Poems, The Notebooks of Malte Laurids Brigge, the Duino Elegies, and the Sonnets to Orpheus thus belong among those works of European modernism in which philosophical questions are not merely taken up but transformed and developed further in poetic form.

Of particular philosophical significance is Rilke’s understanding of seeing. His poetry aims at a new mode of perception in which things no longer remain mere objects of human disposal but are allowed to appear in their own presence. Poetic seeing opens up a relation to the world that places perception and knowledge, proximity and distance, openness and form in a productive tension. It is precisely here that the distinctive contemporary relevance of his work becomes apparent. Rilke’s poetry reminds us that knowledge does not consist solely in conceptual apprehension, but also in a patient, attentive, and transformative perception of reality.

Equally fundamental is Rilke’s understanding of being. His work revolves around the question of how human existence can succeed at all in the face of finitude, transience, and historical uncertainty. Recurring motifs of solitude, existential groundlessness, and the search for belonging point not merely to biographical experiences but to fundamental structures of human existence. Again and again, Rilke’s poetry leads into states of suspension in which accustomed certainties are suspended and new possibilities of understanding self and world become visible. This movement of a “turn towards one’s own” (Wendung ins Eigene) does not signify a withdrawal from the world but rather the search for a deepened form of being-in-the-world.

Closely connected with this is a remarkable reflection on the relationship between life and work. For Rilke, poetry appears not merely as aesthetic production but as a form of life, a spiritual exercise, and a continuous labour upon one’s own existence. In this sense, art possesses an orienting and, not infrequently, therapeutic function. It opens possibilities for self-formation, self-understanding, and existential transformation without ever being reducible to an aesthetics of mere self-expression. The frequently noted unity of living and working thus provides a central key to understanding Rilke’s poetic thinking.

Not least, Rilke’s work revolves around the relationship between body and spirit. His poetry moves beyond traditional dualisms by understanding embodiment, perception, and spirituality as mutually interdependent dimensions of human existence. Here in particular lies its proximity both to phenomenology and to more recent debates in philosophical anthropology. At the same time, the famous thought expressed in the Sonnets to Orpheus that “Gesang ist Dasein” (“song is existence”) acquires a philosophical significance extending far beyond literature. Poetry appears not as an ornamental addition to life but as a way of bringing forth reality, disclosing a world, and enacting human existence.

It is precisely here that we can see why Rilke’s work continues to exert such extraordinary philosophical fascination. His poems open up realms of experience in which language does not merely describe reality but allows it to become visible in a new way. Again and again, they lead us to the point at which conceptual thought encounters its limits and poetic language opens up a distinctive form of knowledge. The linguistic rigour, formal perfection, and existential truthfulness so often associated with Rilke’s poetry therefore cannot be understood in exclusively literary terms. Rather, they account for its status as a philosophical event. Rilke’s work challenges us to reconsider fundamentally the relationship between poetry and thought, language and being, art and truth.

No less significant is Rilke’s impact on twentieth- and twenty-first-century philosophy. The philosophical significance of his work was recognised early on and was emphasised in its religious-philosophical and existential dimensions particularly by Romano Guardini. Few German-language poets of modernity have engaged philosophy as persistently as Rilke. Martin Heidegger repeatedly drew upon his poetry in his reflections on language, being, dwelling, and the essence of poetry; Hans-Georg Gadamer understood it as a paradigmatic site of the interrelation of poetry, experience, and understanding. Emmanuel Levinas, Maurice Blanchot, Jacques Derrida, Michel Henry, Jean-Luc Marion, and Giorgio Agamben have likewise engaged productively with Rilke’s work in connection with questions of alterity, phenomenology, the invisible, the gift, language, and finitude. In hermeneutics, existential philosophy, philosophical anthropology, philosophy of religion, aesthetics, and philosophy of culture, Rilke’s poetry has likewise lost none of its philosophical force.

It is precisely here that its continuing relevance lies. In the context of contemporary debates concerning the possibilities and limits of linguistic representation, the crisis of traditional frameworks of meaning, the relationship between human beings and the world, the role of aesthetic experience, and the significance of poetic knowledge, Rilke’s work opens up an exceptionally productive space for philosophical reflection. His writings remind us that the world is disclosed not through concepts alone but also through perception, intuition, imagination, and poetic language. They challenge us to rethink the relationship between philosophy and literature, thinking and poetry, rationality and aesthetic experience. For this very reason, Rilke’s work has the potential to make a significant contribution to contemporary debates in ontology, philosophy of language, anthropology, philosophy of religion, and aesthetics.

Against this background, the proposed edited volume seeks to reassess Rilke’s relationship to philosophy from both historical and systematic perspectives. On the one hand, contributions may investigate the philosophical presuppositions, contexts, and interlocutors of his work. These may include, among others, Schopenhauer, Kierkegaard, Nietzsche, Meister Eckhart, Christian mysticism, Russian religious philosophy, Rodin, Cézanne, Lou Andreas-Salomé, philosophy of life (Lebensphilosophie), and phenomenology. On the other hand, the volume seeks to examine Rilke’s philosophical reception and influence up to the present day. Possible points of reference include Heidegger, Guardini, Gadamer, Levinas, Blanchot, Derrida, Michel Henry, Jean-Luc Marion, Giorgio Agamben, as well as more recent approaches in hermeneutics, phenomenology, philosophy of religion, philosophy of language, philosophical anthropology, and philosophy of culture.

The volume expressly understands Rilke’s poetry not merely as an object of philosophical interpretation but as a distinctive site of philosophical world-disclosure in its own right. Its guiding question concerns the contribution that poetic thinking can make to philosophy’s understanding of itself. In this sense, the volume seeks not to treat literature and philosophy as separate discourses, but as mutually enriching modes of human experience, knowledge, and engagement with the world.

Contributions are invited on topics including, but not limited to:
• Rilke and Arthur Schopenhauer
• Rilke and Søren Kierkegaard
• Rilke and Friedrich Nietzsche
• Rilke and Lou Andreas-Salomé
• Rilke and Auguste Rodin
• Rilke and Paul Cézanne
• Rilke, Meister Eckhart, and Christian mysticism
• Rilke and Russian religious philosophy
• Rilke and Eastern thought
• Rilke and philosophy of religion
• Rilke and Martin Heidegger
• Rilke in hermeneutics, phenomenology, and deconstruction
• Rilke and philosophical anthropology
• Ontology, being, and Weltinnenraum
• Thinghood, form, and poetic knowledge
• Language, silence, and reality
• Body, spirit, and existence
• Time, death, and finitude
• Aesthetics and philosophy of art
• Poetry as philosophical thinking
• Poetic knowledge and truth
• Rilke’s relevance to twenty-first-century philosophical debates

Contributions addressing other aspects of the relationship between Rilke’s poetry and philosophical thought are, of course, equally welcome.
Abstracts (in English) outlining historically or systematically oriented contributions (max. 500 words) should be submitted by 31 December 2026 to:

jan.kerkmann@philosophie.uni-freiburg.de„>jan.kerkmann@philosophie.uni-freiburg.de
moritzpretzsch@uni-kassel.de„>moritzpretzsch@uni-kassel.de

Decisions on acceptance are expected to be communicated by 1 February 2027.
Completed contributions (max. 60,000 characters including spaces, Times New Roman, 1.5 line spacing) should be submitted by 1 July 2027.
The edited volume will be published in 2027 by a renowned international academic publisher.

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