Hölderlin and Philosophy / Hölderlin und die Philosophie

Deadline: 31.05.2026

Hölderlin and Philosophy – Historical and Systematic Analyses,
edited by Moritz R. Pretzsch and Jan Kerkmann, 2026.

Hölderlin and Philosophy

(English version below)

Call for Papers für den Sammelband:

Hölderlin und die Philosophie – historische und systematische Analysen, hrsg. von Moritz R. Pretzsch und Jan Kerkmann, 2026.

„Hölderlin und die Philosophie“ bezeichnet ein ebenso intensives wie spannungsvolles Verhältnis. Kaum ein Dichter der klassischen Moderne steht der Philosophie zugleich so nahe und so fern wie Friedrich Hölderlin. Früh mit den zentralen Strömungen seiner Zeit vertraut, in Tübingen gemeinsam mit Hegel und Schelling ausgebildet, bewegte sich Hölderlin zeitlebens im Gravitationsfeld philosophischer Fragestellungen – ohne sich je als Philosoph im schulmäßigen Sinne zu verstehen oder verstehen zu wollen. Vielmehr insistierte er auf einer eigentümlichen Form des Denkens, in der Dichtung, Mythos und spekulative Reflexion untrennbar ineinandergreifen.

Bereits in den frühen Fragmenten und Briefen zeigt sich Hölderlins Distanz gegenüber einer Philosophie, die sich in abstrakter Begriffsarbeit vom Lebendigen entfernt. Zugleich bezeugt sein Werk eine intensive Auseinandersetzung mit den Grundfragen der Metaphysik, Erkenntnistheorie und praktischen Philosophie: dem Verhältnis von Einheit und Trennung, Natur und Geist, Endlichkeit und Unendlichkeit, Freiheit und Notwendigkeit. Hölderlins Denken entfaltet sich dabei weniger in systematischen Traktaten als in poetischen, fragmentarischen und essayistischen Formen, die ihrerseits philosophische Ansprüche erheben.

Zentral ist Hölderlins produktive Rezeption der antiken Philosophie, insbesondere Platons und der vorsokratischen Denker. Die Vorstellung einer ursprünglichen Einheit, die Erfahrung ihrer Spaltung sowie die Sehnsucht nach Versöhnung strukturieren sein Werk ebenso wie sein Denken von Geschichte und Zeit. Dabei ist die Antike für Hölderlin nicht bloß historisches Reservoir, sondern ein Gegenbild zur Moderne, an dem sich deren Defizite, Brüche und Entfremdungen ablesen lassen. In diesem Sinne gewinnt die griechische Philosophie in Hölderlins Werk eine eminent gegenwartsdiagnostische Funktion.

Von herausragender Bedeutung ist zudem Hölderlins Verhältnis zum Deutschen Idealismus. Seine Nähe zu Fichte, Schelling und Hegel ist vielfach dokumentiert, zugleich aber von tiefgreifenden Differenzen geprägt. Während der Idealismus die Versöhnung von Subjekt und Objekt auf dem Wege spekulativer Vermittlung sucht, insistiert Hölderlin auf der Unaufhebbarkeit bestimmter Trennungen. Seine berühmte Kritik an der „Einheit ohne Unterschied“ markiert einen entscheidenden Einspruch gegen idealistische Totalisierungsbestrebungen. Philosophie, so scheint es bei Hölderlin, gerät dort in Gefahr, wo sie das Tragische, das Maßlose und das Unverfügbare zu integrieren versucht.

Diese Spannung spiegelt sich exemplarisch in Hölderlins Auseinandersetzung mit Kant. Die kantische Kritik der Metaphysik, insbesondere die Grenzziehung der Vernunft, bildet einen wichtigen Hintergrund seines Denkens. Zugleich geht Hölderlin über Kant hinaus, indem er dem Ästhetischen, dem Mythos und der poetischen Sprache eine erkenntnistheoretische Dignität zuspricht, die sich nicht auf ein bloßes Spiel der Einbildungskraft reduzieren lässt. Dichtung wird so zu einem Ort, an dem sich Wahrheit ereignet, ohne begrifflich vollständig einholbar zu sein.

Nicht minder folgenreich ist Hölderlins Wirkungsgeschichte innerhalb der Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts. Von Nietzsche über Heidegger bis hin zu Adorno wurde Hölderlin als Grenzfigur zwischen Dichtung und Denken gelesen. Heideggers Hölderlin-Lektüren machten ihn gar zu einem zentralen Bezugspunkt einer seinsgeschichtlichen Philosophie, während Adorno in Hölderlins Werk eine negative Dialektik der Versöhnung erkannte, die sich der harmonisierenden Totalität verweigert. Auch in der französischen Philosophie (u. a. Blanchot, Derrida) sowie in der zeitgenössischen politischen und ästhetischen Theorie finden sich vielfältige Spuren einer intensiven Hölderlin-Rezeption. Im Denken des 20. Jahrhunderts nimmt Friedrich Hölderlin eine singuläre Stellung ein. Sein Einfluss erstreckt sich weniger über die Vermittlung systematischer Lehren als über die Eröffnung eines Denkraums, in dem sich Philosophie, Dichtung und Kritik in einem spannungsvollen Verhältnis zueinander bewegen. Gerade diese Grenzstellung machte Hölderlin für zahlreiche Denker des 20. Jahrhunderts zu einer zentralen Referenzfigur, an der sich grundlegende Fragen nach Sprache, Wahrheit, Geschichte und Subjektivität neu formulieren ließen.

Besonders prägend war Hölderlins Wirkung auf Martin Heidegger, für den Hölderlin zum „Dichter der Dichter“ und zum privilegierten Zeugen einer seinsgeschichtlichen Wahrheit wurde. In zahlreichen Vorlesungen und Essays rückte Heidegger Hölderlins Hymnen und Elegien ins Zentrum seiner Überlegungen zur Sprache als „Haus des Seins“. Hölderlins Dichtung erschien ihm als ein Ort, an dem sich das Verhältnis von Mensch, Welt und Sein in einer ursprünglicheren Weise zeigt als im begrifflichen Denken der Metaphysik. Diese Lektüre prägte nicht nur Heideggers eigenes Spätwerk, sondern bestimmte maßgeblich die philosophische Hölderlin-Rezeption des Jahrhunderts.

Gegen diese ontologisierende Aneignung wandte sich Theodor W. Adorno, der Hölderlin dennoch intensiv rezipierte. In seiner berühmten Studie Parataxis liest Adorno Hölderlin als Dichter der gebrochenen Versöhnung. Für ihn artikuliert Hölderlins Sprache keine harmonische Einheit, sondern eine Spannung, in der das Versprechen von Versöhnung gerade durch formale Brüche, Parataxen und Unterbrechungen hindurch aufscheint. Hölderlin wird so zu einer Schlüsselfigur einer negativen Dialektik, die sich gegen jede Totalisierung und jede vorschnelle Sinnstiftung sperrt.

Auch Walter Benjamin knüpfte früh an Hölderlin an, insbesondere im Kontext seiner Überlegungen zu Tragödie, Mythos und Sprache. Hölderlins Sophokles-Übersetzungen wurden für Benjamin zu paradigmatischen Texten einer Sprachauffassung, in der sich Bedeutung nicht in Kommunikation erschöpft, sondern in einer eigentümlichen Spannung von Gewalt, Gesetz und Schweigen erscheint. Hölderlin steht bei Benjamin für eine Form poetischer Wahrheit, die jenseits moralischer und teleologischer Deutungen operiert.

In der philosophischen Hermeneutik Hans-Georg Gadamers spielt Hölderlin ebenfalls eine wichtige Rolle. Gadamer versteht Hölderlins Dichtung als exemplarisch für eine Wahrheitserfahrung, die sich nicht methodisch erzwingen lässt, sondern sich ereignet. Dichtung wird hier zu einem Medium, in dem sich Sinn im Vollzug des Verstehens entfaltet und zugleich entzieht. Auch Ernst Cassirer griff Hölderlin auf, insbesondere im Rahmen seiner Theorie der symbolischen Formen, in der Mythos, Sprache und Dichtung als eigenständige Modi der Welterschließung erscheinen.

Existenzphilosophische Lesarten Hölderlins finden sich bei Karl Jaspers, der in Hölderlins Werk eine Auseinandersetzung mit Grenzsituationen, Scheitern und Transzendenz erkannte. Hölderlin erscheint hier als Dichter einer existenziellen Erfahrung, die sich rationaler Durchdringung entzieht und gerade darin philosophische Relevanz gewinnt.

Über den deutschen Sprachraum hinaus wirkte Hölderlin stark in der französischen Philosophie und Literaturtheorie. Maurice Blanchot las Hölderlin als Dichter der Grenze zwischen Sprache und Schweigen, als Autor einer Literatur, die sich der Möglichkeit wie der Unmöglichkeit des Sagens zugleich aussetzt. Jacques Derrida griff Hölderlin indirekt über Heidegger und Benjamin auf und interessierte sich besonders für die Fragen der Übersetzung, der Fragmentarität und der unabschließbaren Sinnverschiebung. Jean-Luc Nancy und Philippe Lacoue-Labarthe schließlich sahen in Hölderlin einen Denker einer nicht-identitären Gemeinschaft und eines geteilten Sinns, der sich jeder substantiellen Fundierung entzieht. Auch Giorgio Agamben knüpfte an Hölderlin an, etwa in seinen Überlegungen zu Potentialität, Sprache und hymnischem Denken.

In diesem Kontext ist schließlich auch Samuel Beckett zu nennen, dessen Werk zwar selten explizit auf Hölderlin Bezug nimmt, jedoch in vielfacher Hinsicht an Motive anschließt, die bereits bei Hölderlin angelegt sind. Becketts radikale Reduktion der Sprache, sein Insistieren auf Unterbrechung, Schweigen und Scheitern lassen sich als eine extreme Fortführung jener Erfahrung lesen, dass Sinn nicht verfügbar ist und sich nur im Modus des Verfehlens artikuliert. Wie bei Hölderlin wird Sprache bei Beckett zu einem Ort, an dem das Sprechen an seine Grenze gerät und gerade darin eine eigentümliche Wahrheit gewinnt. In diesem Sinne lässt sich Beckett als späte, negative Resonanz eines Denkens verstehen, das Hölderlin an der Schwelle zwischen Dichtung und Philosophie eröffnet hat.

Insgesamt zeigt sich, dass Hölderlin das Denken des 20. Jahrhunderts weniger durch doktrinäre Inhalte als durch die nachhaltige Irritation philosophischer Gewissheiten geprägt hat. Er fungiert als eine Figur der Grenze, an der sich zentrale Debatten über Sprache, Vernunft, Geschichte und Subjektivität bündeln. Gerade in einer Zeit, in der die Ansprüche systematischer Philosophie zunehmend fraglich geworden sind, erwies sich Hölderlins Denken für viele Autoren des 20. Jahrhunderts als produktive Herausforderung und als unverzichtbarer Bezugspunkt.

Der geplante Sammelband nimmt sich vor, Hölderlins Verhältnis zur Philosophie sowie seine Wirkung auf philosophische Diskurse historisch und systematisch zu untersuchen. Im Zentrum stehen dabei sowohl die philosophischen Einflüsse auf Hölderlins Denken – darunter Kant, Fichte, Schelling, Hegel, Spinoza, Platon und die Vorsokratiker – als auch Hölderlins Bedeutung für spätere philosophische Positionen. Darüber hinaus soll gefragt werden, welche Relevanz Hölderlins Denken für gegenwärtige philosophische Debatten besitzt, etwa im Hinblick auf Fragen von Subjektivität, Naturverhältnis, Sprache, Geschichte, Tragik und Kritik der Vernunft.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Frage, ob und inwiefern Hölderlin ein alternatives Modell des Philosophierens eröffnet: ein Denken, das sich nicht im Begriff erschöpft, sondern in der Spannung zwischen Sprache, Erfahrung und Negativität verharrt. In einer Zeit, in der philosophische Rationalität selbst zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gerät, könnte Hölderlins poetisches Denken erneut als Korrektiv und Herausforderung fungieren.

Abstracts (in englischer Sprache) mit historisch oder systematisch ausgerichteten Beitragsvorschlägen (max. 500 Wörter) senden Sie bitte bis zum 31.05.2026 an:

jan.kerkmann@philosophie.uni-freiburg.de
moritzpretzsch@uni-kassel.de

Die finalen Fassungen der Beiträge (max. 60.000 Zeichen inkl. Leerzeichen, Times New Roman, Zeilenabstand 1,5) sind bis zum 31.12.2026 einzureichen. Der Sammelband erscheint 2027 bei einem renommierten internationalen Verlag.

Englisch:

Call for Papers for the edited volume:

Hölderlin and Philosophy – Historical and Systematic Analyses

“Hölderlin and philosophy” denotes a relationship that is at once intensely close and deeply tension-ridden. Hardly any poet of classical modernity stands in such a simultaneous proximity to and distance from philosophy as Friedrich Hölderlin. Early on familiar with the central intellectual currents of his time, educated in Tübingen alongside Hegel and Schelling, Hölderlin remained throughout his life within the gravitational field of philosophical questions—without ever understanding himself, or wishing to be understood, as a philosopher in the scholastic sense. Instead, he insisted on a distinctive mode of thinking in which poetry, myth, and speculative reflection are inextricably intertwined.
Already in his early fragments and letters, Hölderlin’s distance from a philosophy that alienates itself from the living through abstract conceptual labor becomes apparent. At the same time, his work testifies to an intensive engagement with the fundamental questions of metaphysics, epistemology, and practical philosophy: the relation between unity and division, nature and spirit, finitude and infinity, freedom and necessity. Hölderlin’s thinking unfolds less in systematic treatises than in poetic, fragmentary, and essayistic forms that themselves lay claim to philosophical significance.
Central to Hölderlin’s work is his productive reception of ancient philosophy, especially Plato and the Presocratic thinkers. The idea of an original unity, the experience of its rupture, and the longing for reconciliation structure his poetry as much as his thinking of history and time. For Hölderlin, antiquity is not merely a historical repository, but a counter-image to modernity against which its deficits, fractures, and alienations become legible. In this sense, Greek philosophy acquires an eminently diagnostic function for the present in Hölderlin’s work.
Equally significant is Hölderlin’s relation to German Idealism. His proximity to Fichte, Schelling, and Hegel is well documented, yet it is marked by profound differences. Whereas Idealism seeks the reconciliation of subject and object through speculative mediation, Hölderlin insists on the irreducibility of certain separations. His famous critique of an “unity without difference” constitutes a decisive objection to idealist tendencies toward totalization. Philosophy, in Hölderlin’s view, appears to come into danger wherever it attempts to integrate the tragic, the excessive, and the unavailable.
This tension is reflected paradigmatically in Hölderlin’s engagement with Kant. Kant’s critique of metaphysics, particularly the delimitation of reason, forms an important background to Hölderlin’s thinking. At the same time, Hölderlin goes beyond Kant by attributing to the aesthetic, to myth, and to poetic language an epistemic dignity that cannot be reduced to a mere play of the imagination. Poetry thus becomes a site in which truth occurs without being fully capturable in conceptual terms.
No less consequential is Hölderlin’s reception within nineteenth- and twentieth-century philosophy. From Nietzsche through Heidegger to Adorno, Hölderlin was read as a liminal figure between poetry and thought. Heidegger’s readings of Hölderlin even elevated him to a central point of reference for a philosophy of the history of Being, while Adorno discerned in Hölderlin’s work a negative dialectic of reconciliation that resists harmonizing totality. Hölderlin’s reception also left manifold traces in French philosophy (among others Blanchot and Derrida) as well as in contemporary political and aesthetic theory. In twentieth-century thought, Friedrich Hölderlin occupies a singular position. His influence operates less through the transmission of systematic doctrines than through the opening of a space of thought in which philosophy, poetry, and critique enter into a tension-filled relationship. It was precisely this liminal position that made Hölderlin a central reference figure for numerous twentieth-century thinkers, enabling fundamental questions of language, truth, history, and subjectivity to be reformulated.
Hölderlin’s impact on Martin Heidegger was particularly formative. For Heidegger, Hölderlin became the “poet of poets” and a privileged witness to a truth of the history of Being. In numerous lectures and essays, Heidegger placed Hölderlin’s hymns and elegies at the center of his reflections on language as the “house of Being.” Hölderlin’s poetry appeared to him as a site in which the relation between human beings, world, and Being manifests itself in a more originary manner than in the conceptual thinking of metaphysics. This reading not only shaped Heidegger’s own later work, but also decisively influenced the philosophical reception of Hölderlin throughout the century.
Theodor W. Adorno, by contrast, opposed this ontologizing appropriation while nevertheless engaging intensively with Hölderlin. In his famous study Parataxis, Adorno reads Hölderlin as a poet of fractured reconciliation. For him, Hölderlin’s language articulates not a harmonious unity, but a tension in which the promise of reconciliation emerges precisely through formal ruptures, parataxes, and interruptions. Hölderlin thus becomes a key figure of a negative dialectics that resists all totalization and any premature imposition of meaning.
Walter Benjamin also engaged early with Hölderlin, particularly in the context of his reflections on tragedy, myth, and language. Hölderlin’s translations of Sophocles became for Benjamin paradigmatic texts of a conception of language in which meaning does not exhaust itself in communication, but appears in a peculiar tension of violence, law, and silence. For Benjamin, Hölderlin stands for a form of poetic truth that operates beyond moral and teleological interpretations.
In the philosophical hermeneutics of Hans-Georg Gadamer, Hölderlin likewise plays an important role. Gadamer understands Hölderlin’s poetry as exemplary of an experience of truth that cannot be methodically enforced but instead occurs. Poetry thus becomes a medium in which meaning unfolds in the act of understanding while simultaneously withdrawing. Ernst Cassirer also drew on Hölderlin, particularly within the framework of his theory of symbolic forms, in which myth, language, and poetry appear as autonomous modes of world disclosure.
Existential-philosophical readings of Hölderlin can be found in Karl Jaspers, who recognized in Hölderlin’s work an engagement with limit situations, failure, and transcendence. Hölderlin appears here as a poet of an existential experience that eludes rational penetration and thereby gains philosophical relevance.
Beyond the German-speaking world, Hölderlin exerted a strong influence on French philosophy and literary theory. Maurice Blanchot read Hölderlin as a poet of the boundary between language and silence, as an author of a literature that exposes itself simultaneously to the possibility and impossibility of saying. Jacques Derrida engaged with Hölderlin indirectly via Heidegger and Benjamin, taking a particular interest in questions of translation, fragmentarity, and the interminable deferral of meaning. Jean-Luc Nancy and Philippe Lacoue-Labarthe, finally, saw in Hölderlin a thinker of a non-identitarian community and a shared sense that resists any substantial grounding. Giorgio Agamben likewise drew on Hölderlin, for example in his reflections on potentiality, language, and hymnic thinking.
In this context, Samuel Beckett should also be mentioned. Although his work rarely refers explicitly to Hölderlin, it resonates in many respects with motifs already present in Hölderlin. Beckett’s radical reduction of language, his insistence on interruption, silence, and failure, can be read as an extreme continuation of the experience that meaning is unavailable and articulates itself only in the mode of missing its mark. As in Hölderlin, language in Beckett becomes a site where speech reaches its limit and precisely therein attains a peculiar truth. In this sense, Beckett may be understood as a late, negative resonance of a mode of thinking that Hölderlin opened at the threshold between poetry and philosophy.
Overall, it becomes evident that Hölderlin shaped twentieth-century thought less through doctrinal content than through the enduring irritation of philosophical certainties. He functions as a figure of the boundary at which central debates on language, reason, history, and subjectivity converge. Precisely at a time when the claims of systematic philosophy have increasingly come into question, Hölderlin’s thinking proved for many twentieth-century authors to be a productive challenge and an indispensable point of reference.
The planned edited volume aims to examine Hölderlin’s relationship to philosophy and his impact on philosophical discourses from both historical and systematic perspectives. Central to this endeavor are both the philosophical influences on Hölderlin’s thinking—including Kant, Fichte, Schelling, Hegel, Spinoza, Plato, and the Presocratics—and Hölderlin’s significance for later philosophical positions. In addition, the volume will explore the relevance of Hölderlin’s thinking for contemporary philosophical debates, for example with regard to questions of subjectivity, the relation to nature, language, history, tragedy, and the critique of reason.
Special attention will be given to the question of whether and to what extent Hölderlin opens up an alternative model of philosophizing: a mode of thought that does not exhaust itself in concepts, but persists in the tension between language, experience, and negativity. At a time when philosophical rationality itself is increasingly under pressure to justify its claims, Hölderlin’s poetic thinking may once again serve as a corrective and a challenge.

Abstracts (in English) with historically or systematically oriented proposals (maximum 500 words) can be sent to the following email addresses by 31 May 2026:

jan.kerkmann@philosophie.uni-freiburg.de
moritzpretzsch@uni-kassel.de

Final versions of the contributions (max. 60,000 characters, including spaces, Times New Roman, 1.5 line spacing) should be submitted by 31 December, 2026. The edited volume will be published in spring 2027 by a renowned international publisher.

Informationen

E-Mail Veranstalter

jan.kerkmann@philosophie.uni-freiburg.de

Downloads

Text und „Enter“ eingeben, um eine Suche zu starten.