Eisvogel-Preis für radikale Essayistik 2026:
Worin besteht die Aktualität von Nietzsches Analyse und Kritik des „Ressentiments“?
Meist wird dabei unter „Ressentiment“ bloß „Vorurteil“ verstanden. Doch Nietzsche entwickelt ein schärferes Verständnis des Begriffs. Er geht davon aus, dass sich Wut- und Aggressionsaffekte, wenn sie nicht unmittelbar ausgelebt werden, vom Anlass des Zorns verselbständigen und in einem verstetigten Rachebedürfnis gegenüber dem, vermeintlich, übermächtigen Feind resultieren. Diese verneinende Attitüde resultiert schließlich in einer umfassenden welt- und lebensnegierenden Welthaltung, die von Neid und Missgunst gegenüber den angeblichen ‚Schädigern‘ geprägt ist und das in ihr befangene Subjekt in seiner Ohnmacht fixiert. Dieser Überdruss wendet sich schließlich als „schlechtes Gewissen“ gegen es selbst – und ist die Wurzel der christlichen-abendländischen „Sklavenmoral“ und Metaphysik, sobald das Ressentiment versucht, „schöpferisch“ zu werden. Auf Verneinung fußend, muss jener Unwille schließlich in einem umfassenden Nihilismus münden, den Nietzsche als Grundcharakteristikum der Moderne fasst.
Die Halkyonische Assoziation für radikale Philosophie und das Buser World Music Forum suchen nach Essays, die die gestellte Preisfrage im Rekurs auf Nietzsche und die Tradition der nietzscheanischen Kritik beantworten. Sie müssen in deutscher Sprache verfasst sein und dürfen eine Länge von 15.000 Zeichen nicht überschreiten. Die drei besten Artikel werden auf dem Blog Nietzsche POParts publiziert und mit Preisen von 750 Fr. (1. Platz), 500 Fr. (2. Platz) und 250 Fr. (3. Platz) prämiert.
Die Texte sind als PDF- und Word-Datei bis zum 25. August 2026 an eisvogelpreis@gmail.com„>eisvogelpreis@gmail.com zu senden. Die Datei sollte komplett anonymisiert, die Kontaktdaten des Einsenders in einem separaten Dokument enthalten sein. An diese E-Mail-Adresse können auch gerne Rückfragen gerichtet werden.
Weitere Informationen und den kompletten Ausschreibungstext finden Sie hier: https://www.nietzsche-poparts.ch/eisvogelpreis-fur-radikale-essayistik