Call for Paper: Hundert Jahre Sein und Zeit (1927–2027) – Heideggers Ontologie und ihre gegenwärtigen Resonanzen

Deadline: 31.05.2027

Das Jahr 2027 markiert das hundertjährige Jubiläum der Erstveröffentlichung von Martin Heideggers Sein und Zeit, einem der folgenreichsten philosophischen Werke des zwanzigsten Jahrhunderts. Dieser Jubiläumsanlass bietet eine einmalige Gelegenheit zur gründlichen Neubewertung des Heideggerschen Denkens und seiner fortwährenden Wirkungen in der Philosophie, den Geisteswissenschaften und interdisziplinären Praxisfeldern. Die mehrsprachige kroatische Zeitschrift Philosophische Berater (Filozofski savjetnik) lädt zur Einsendung von Beiträgen für ein thematisches Sonderheft ein, das diesem Jubiläum gewidmet ist.

Das Sonderheft begrüßt Beiträge, die sich auf substanzielle Weise mit dem Erbe von Sein und Zeit in seiner gesamten philosophischen Reichweite auseinandersetzen, von der ursprünglichen Existenzialanalytik bis hin zu ihren Verzweigungen im gegenwärtigen Denken. Die Redaktion ermutigt insbesondere Arbeiten, die sich mit der praktischen Anwendung der Heideggerschen Philosophie befassen, einschließlich ihrer Implikationen für die philosophische Beratung und philosophische Praxis, die existenzielle Psychotherapie, die klinische Phänomenologie und die Ethik der Fürsorge. Heideggers Fundamentalontologie sowie seine Analysen von Dasein, Zeitlichkeit, Sorge, Stimmung, Angst, Gewissen und Eigentlichkeit bleiben eine unerschöpfliche Quelle sowohl für die theoretische als auch für die angewandte Philosophie. Beiträge sind ebenso erwünscht zu den ontologischen und existenzialen Strukturen des In-der-Welt-seins im Verhältnis zur klinischen und therapeutischen Praxis, zu phänomenologischen Zugängen zu Krankheit und Sterben sowie zur Bedeutung von Heideggers späterem Denken über Technik, Wohnen und die Seinsfrage für die zeitgenössische philosophische und biomedizinische Forschung.

Das Sonderheft lädt gleichermaßen Beiträge ein, die die Fortsetzung, Transformation und kritische Rezeption des Heideggerschen Projekts im Denken jener Philosophinnen und Philosophen nachzeichnen, die ihn weitergeführt, verwandelt oder kritisch überschritten haben. Hans-Georg Gadamer entfaltete aus Heideggers hermeneutischer Phänomenologie eine umfassende philosophische Hermeneutik, deren Wirkung auf die Interpretation von Texten, Traditionen und kulturellen Überlieferungen bis heute unbestritten ist. Jacques Derrida unterzog Sein und Zeit einer dekonstruktiven Lektüre und eröffnete damit eine neue Problematik der Differenz, der Spur und der Präsenz, die die kontinentale Philosophie und Literaturtheorie nachhaltig geprägt hat. Hannah Arendt, als Schülerin Heideggers, verwandelte die Analytik des Daseins grundlegend in Richtung politischer Philosophie und gründete die Begriffe des Handelns, der Natalität und des öffentlichen Raums in einer beharrlichen Auseinandersetzung mit der Ontologie ihres Lehrers. Paul Ricoeur baute eine hermeneutische Phänomenologie der narrativen Identität, des Gedächtnisses und der Zeit auf, die in einem produktiven und spannungsreichen Dialog mit Heideggers Zeitlichkeitsanalyse steht. Emmanuel Levinas, der von Heideggers Ontologie ausging, um sie zu überwinden, begründete eine Ethik der Verantwortung und der Alterität als erste Philosophie, deren Konsequenzen für die Medizinethik und die Philosophie der Fürsorge nach wie vor ausgearbeitet werden. Jean-Luc Marion entwickelte eine Phänomenologie der Gegebenheit, die Heideggers Problematik von Sein und Anwesenheit in den Horizont theologischer und philosophischer Reflexion über Phänomen und Offenbarung verschiebt. Francisco Varela, Evan Thompson und Humberto Maturana begründeten den enaktivistischen Ansatz zur Kognition und zum Leben, wobei sie sich unverzichtbar auf Heideggers Analyse des verkörperten In-der-Welt-seins als philosophische Grundlage für die Lebenswissenschaften stützten. Die gegenwärtigen Strömungen der 4E-Kognition, des Enaktivismus, der ökologischen Psychologie und der Phänomenologie des Geistes operieren weiterhin mit dem Begriffsinstrumentarium, das Sein und Zeit in den philosophischen Umlauf gebracht hat, und ihr Verhältnis zu diesem Erbe verdient systematische Untersuchung.

Einsendeschluss ist der 31. Mai 2027. Beiträge werden auf Englisch, Deutsch und Kroatisch entgegengenommen. Manuskripte sind an filozofskisavjetnik@proton.me„>filozofskisavjetnik@proton.me zu senden, mit dem Betreff »Heidegger 1927–2027«. Alle eingereichten Arbeiten durchlaufen das reguläre doppelt-blinde Begutachtungsverfahren. Die Zeitschrift erhebt keinerlei Gebühren in keiner Phase des Verfahrens.

Die Autorinnen und Autoren behalten die Urheberrechte unter der Lizenz Creative Commons 4.0 International. Alle technischen Anforderungen finden sich auf der Website der Zeitschrift:
savjetnik.hufp.hr (Filozofski savjetnik / Philosophischer Berater wird von der Kroatischen Vereinigung für philosophische Praxis (HUFP), Zagreb, herausgegeben.)

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filozofskisavjetnik@proton.me

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