Auf der Suche nach einer neuen Orientierung. Religiöse und philosophische Diskurse in Österreich und Deutschland, 1918–1938

Deadline: 15.06.2026

„Man müsste einen Halt haben“, lässt Siegfried Kracauer den Protagonisten seines gleichnamigen Romans Georg ausstoßen – eine geistige Orientierung, nach der der junge Mann in der Weimarer Republik vergeblich sucht. Die Erfahrung existenzieller und weltanschaulicher Desorientierung prägte die Jahre zwischen 1918, dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs und der Habsburgermonarchie, und 1938, dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland.

Die tiefgreifende politische Polarisierung und die gleichzeitigen kulturellen Neuorientierungen waren sowohl für die Entwicklung als auch für die Transformation religiöser Vorstellungen und philosophischer Deutungen von großer Bedeutung und sollten einen nachhaltigen Einfluss haben. Neue religiöse und esoterische Bewegungen – von der Anthroposophie bis hin zu völkisch geprägten Christentümern – traten in ein spannungsreiches Verhältnis zu zeitgenössischen philosophischen Strömungen. Gleichzeitig entwickelten sich in den philosophischen Diskursen neue Denkansätze, die die politische Ordnung sowie nationale Geschichtsbilder und deren Mythen in neuartiger Weise reflektierten und interpretierten.

Jene Entwicklungen der Zeit waren indes nicht ausschließlich ideologische Wegbereiter des Vernichtungskriegs der Nationalsozialisten. Diese Periode lieferte auch die Ideen und Theorien, an die man nach der bedingungslosen Kapitulation des „Dritten Reiches“ 1945 wieder anzuknüpfen versuchte. Die Diskurse der Zwischenkriegszeit trugen entsprechend zu Entwicklungen bei, die bis heute nachwirken – und in den letzten zehn Jahre wieder zunehmend an Aktualität gewonnen haben.

Im Workshop möchten wir uns in einer vergleichend-systematischen und interdisziplinären Perspektive mit dem genannten Spektrum esoterisch-religiöser und philosophischer Diskurse auseinandersetzen. Gefragt wird nach Überschneidungen, Anknüpfungen und Divergenzen im breiten Feld zwischen Freidenkertum, Monismus und ethischer Bewegung, religiösem Sozialismus, phänomenologischer Bewegung und Runengymnastik.
Der öffentliche Workshop findet vom 23. bis 24. Oktober 2026 am Institut für Religionswissenschaft der Universität Wien statt. Mittel zur Teilübernahme von Reise- und Übernachtungskosten wurden bewilligt. Zur Ergebnissicherung ist ein Sammelband in Planung.

Einreichungen mit kurzen Abstracts (300 Wörter max.) für 25 minütige Vorträge bitten wir bis zum 15. Juni 2026 an moritz.maurer@univie.ac.at„>moritz.maurer@univie.ac.at zu senden. Die Rückmeldung erfolgt bis zum 30. Juni.

Informationen

Beginn

23.10.2026

Ende

24.10.2026

Ort

Wien

E-Mail Veranstalter

moritz.maurer@univie.ac.at

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