Philosophische Wege in den Nationalsozialismus: Ideen, Netzwerke und Kontexte

Beginn: 29.07.2026, 14:00 Uhr
Ende: 31.07.2026, 14:00 Uhr

Der Nationalsozialismus konnte auf eine breite Unterstützung aus Wissenschaft und Forschung setzen. In der akademischen „Selbstmobilisierung“ spielte die Philosophie eine Vorreiterrolle, deren vielschichtige Bedeutung immer noch unterbelichtet ist. Der 1917 in den Kant-Studien publizierte Vortrag Vom Begriff der Nation: Ein Kapitel zur Geschichtsphilosophie ihres Herausgebers Bruno Bauch produzierte einen Skandal, weil darin Rassismus mit den Mitteln der klassischen deutschen Philosophie begründet und das wahre Verständnis Kants auf die deutsche „Volksgemeinschaft“ beschränkt wurde. Aufgrund der Proteste gegen die Publikation seines Aufsatzes verließ Bauch die Kant-Gesellschaft und gründete die Deutsche Philosophische Gesellschaft, die zum Sammelbecken völkisch und faschistisch orientierter Philosophen wurde. Diese Episode dokumentiert, dass die Philosophie nicht nur ideologisch, sondern auch durch den Aufbau von Netzwerken zum Aufstieg des Nationalsozialismus beitrug.

Die Tagung setzt sich mit diesem Schnittpunkt von philosophischen Ideen und ihrer Verbreitung in Netzwerken und Organisationen auseinander. Aus dieser Perspektive wollen wir uns folgenden Fragestellungen widmen: Welche Ideen prägten die philosophischen Ansätze, die sich in den Nationalsozialismus einbrachten? Auf welche Weise machten Philosophen den Begriff der „Rasse“ zum Bezugspunkt ihres Denkens? Wie wurden völkische Bewegung und philosophischer Anti-Universalismus miteinander verbunden? Welche Rolle spielte die Kritik des Universalismus und der Vernunft in machen Strömungen der modernen Philosophie und Kulturkritik? Welche institutionellen Formen nahm das politische Engagement der Philosophen an, und welche Arten des intellektuellen Aktivismus entstanden dadurch? In welchem Verhältnis zur Politik sahen sich Philosophen, die sich zu Faschismus oder Nationalsozialismus bekannten? Was bedeutete das für das Scheitern einer offenen Gesellschaft?

Informationen

Ort

Goethe- und Schiller-Archiv | Vortragssaal | Jenaer Str. 1, 99425 Weimar

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Programm Wege in den NS
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