Auf der Schwelle. Zur Frage der Freiheit in der Verrücktheit

Beginn: 24.04.2026, 14:00 Uhr
Ende: 25.04.2026, 14:30 Uhr

Die Figur des Verrückten hat in der Philosophie eine ambivalente Stellung: Zwar wird unter ‚Verrücktheit‘ nicht selten eine pathologische Einschränkung verstanden, etwa im Sinne eines Rückzugs in Innerlichkeit, eines bis zur Ekstase reichenden ‚Außer-sich-Seins‘ oder einer grundlegenden Störung des Selbstgefühls.

Doch klingt dabei mitunter auch eine Befreiung von normierenden Lebensverhältnissen an: In der Abweichung und Infragestellung von selbstverständlich geltenden Normen und Meinungssystemen kann ‚Verrücktheit‘ auch ein Moment sozialer Freiheit enthalten (Hegel, Foucault, Deleuze/Guattari).

Einem Vorschlag von Dieter Thomä folgend, ließe sich dieses Freiheitsmoment genauer als „liminal“ konzipieren: Die Figur des Verrückten kehrt der sozialen Ordnung nicht ein für alle Mal den Rücken, sondern balanciert auf der Schwelle zwischen Fügung und Widerstand, Anpassung und Abweichung, und symbolisiert so die Offenheit und Unabgeschlossenheit der menschlichen Lebensweise.

Auf der Grundlage gegenwärtigen psychiatrischen und psychotherapeutischen Wissens erscheint Verrücktwerden jedoch zumeist als leidvoller Verlust (etwa der für personale Autonomie notwendigen Ich-Funktionen). Eine freiheitstheoretische Befragung von Phänomenen der Verrücktheit setzt sich so dem Verdacht aus, pathologische Leidenszustände auszublenden.

Wie lässt sich also auf einer begrifflichen Ebene das Verhältnis von ‚Verrücktheit‘ und ‚Normalität‘ freiheitstheoretisch genauer bestimmen? Kann das Verrückt-Werden sogar positiv gewendet und als ‚Befreiung zu‘ verstanden werden?

Der Workshop hat zum Ziel, zur Beantwortung der Fragen philosophische, psychiatrische und psychoanalytische Perspektiven ins Gespräch zu bringen. Den begrifflichen Rahmen bildet eine weite Konzeption von Verrücktheit jenseits pathologisierender Zuschreibungen sowie ein Freiheitsbegriff, demzufolge Verwirklichung von Autonomie eine soziale Aufgabe ist.

Informationen

Ort

Festsaal der Immanuel Albertinen Diakonie, Am Kleinen Wannsee 5A, 14109 Berlin

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