Philosophie und Nationalsozialismus

Abstract view of the Holocaust Memorial's concrete blocks in Berlin, Germany.

Philosophie und Nationalsozialismus

80 Jahre nach Kriegsende steht die normative Ordnung, die als Reaktion auf den Nationalsozialismus etabliert wurde, in Deutschland und weltweit unter Druck. Die Herrschaft des NS von 1933 bis 1945, der zweite Weltkrieg und der Holocaust gehören zu den historisch am intensivsten untersuchten Ereignissen der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Dagegen sind das Verhältnis von Philosophie und Nationalsozialismus und die Beteiligung von Philosoph:innen an dessen Etablierung und Rechtfertigung sowie dessen Verbrechen wenig erforscht. Aus den wenigen bisherigen Forschungen zu einzelnen Philosophen, der Institutionengeschichte und den philosophischen Beiträgen zum NS-Denken geht hervor, dass es eine breite Beteiligung der Philosophie am NS gab und NS-Philosophie als Teil der deutschsprachigen Philosophiegeschichte betrachtet werden muss. Es fehlen jedoch bis heute in den meisten philosophischen Wörterbüchern und Enzyklopädien entsprechende Einträge, welche die Philosophie im NS oder philosophisches Nachdenken über diesen zum Thema haben. In Forschung und Lehre hat die explizite Auseinandersetzung mit Philosophie im NS keinen festen Platz. Das verwundert, da die Erfahrung des NS gesellschaftliche Strukturen und Reflexionen, insbesondere ihre politischen und moralisch-ethischen Begriffe, enorm geprägt hat. Schließlich fehlen Studien, welche die anhaltenden Folgen von Mord, Vertreibung, Komplizenschaft, Arrangement und Verleugnung für die eigene Disziplin analysieren.

Zielsetzung der Arbeitsgemeinschaft

„Nationalsozialismus und Philosophie“ ist es innerhalb der Universitätsphilosophie in Deutschland und der Deutschen Gesellschaft für Philosophie die Erforschung und Reflexion der Verbindung von Philosophie und Nationalsozialismus zu fördern. Dabei liegt besondere Aufmerksamkeit auf dem möglichen Fortwirken von nationalsozialistischen, völkischen und faschistischen Überzeugungen in Philosophie und Gesellschaft. Die Arbeitsgemeinschaft fragt nicht nur nach der Anschlussfähigkeit des neuen an das alte Denken nationalsozialistischer, faschistischer, rechtsextremistischer, usw. Bewegung, sondern auch nach der Verantwortung der Philosophie für dieses Denken. Es erscheint daher wichtig, das Selbstverständnis der Philosophie und die Geschichte ihrer Fachvereine und Institutionen vor, während und nach dem Nationalsozialismus zu untersuchen sowie Kontinuitäten und Brüche auszuloten. Daran schließen sich grundlegende Fragestellungen zum Verhältnis von historischer Erfahrung, Politik und Moral an.

Die Arbeitsgemeinschaft verfolgt dieses Ziel sowohl indem sie Forschenden, Lehrenden und Interessierten Foren zum inhaltlichen Austausch bietet als auch in institutioneller Weise, in dem sie Projekte und Personen vernetzt und sichtbar macht, aber auch Materialien wie Bibliographien und Lehrpläne zur Verfügung stellt. Sie hilft in der Qualifikationsphase bei der Suche nach geeigneten Betreuungen. Sie organisiert sowohl eigene virtuelle und physische Treffen als auch die gemeinsame Teilnahme an Konferenzen.

Die AG ist insbesondere Anlaufstelle...

  • für Forschende, die sich vernetzen und Work-in-Progress diskutieren möchten,
  • für Promovierende, die geeignete Betreuung suchen und sich beraten lassen möchten,
  • für Philosoph:innen, die an methodischen, didaktischen und professionsethischen Fragen angesichts des NS, seiner Verbrechen, Geschichte und Gegenwart interessiert sind.

Mitgliedschaft

Die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft steht allen offen. Eigene Forschung zum Thema ist erwünscht, aber keine Voraussetzung. Über die Aufnahme neuer Mitglieder entscheiden die Sprecher:innen.

Sprecher:innen

Die Sprecher:innen der AG vertreten die AG nach außen sowie gegenüber dem Vorstand der DGPhil und koordinieren die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft.

Kontakt: david.palme@ts.uni-heidelberg.de

David Palme (Heidelberg), Johannes Steizinger (Hamilton, Kanada), Lea Schwab (Zürich), Anna Maria Hartmann (Jena), Werner Konitzer (Frankfurt/Oder)

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