Europa neu denken.

75 Jahre Deutsche Gesellschaft für Philosophie e.V. 1950-2025.

Vor 75 Jahren wurde Deutschland in den Europarat aufgenommen. Vor 75 Jahren wurde die Deutsche Gesellschaft für Philosophie gegründet. Diese Koinzidenz würdigen wir mit unserer Jubiläumsfeier.
Die Ideale des Europarates, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Demokratie, sind das Ergebnis jahrhundertelanger Auseinandersetzungen. Die europäische Idee und die von ihr getragenen Universalien sind ohne die große europäische philosophische Tradition nicht zu verstehen.
Das Motto der Festveranstaltung zum 75-jährigen Jubiläum der Deutschen Philosophischen Gesellschaft lautet daher: Europas philosophische Tradition angesichts aktueller Herausforderungen neu denken.

Pressespiegel

Zum 75-jährigen Jubiläum der Deutschen Gesellschaft für Philosophie wurde am 20. November 2025 in Paderborn eine Jubiläumsveranstaltung ausgerichtet. Die folgenden Beiträge dokumentieren die mediale Resonanz auf dieses Ereignis und zeigen, wie das Jubiläum in Presse und Öffentlichkeit gewürdigt wurde.

Begrüßungsansprachen

Prof. Dr. Matthias Bauer, Präsident der Universität Paderborn

Prof. Dr. Ruth Edith Hagengruber, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Philosophie:

„Europa neu denken. 75 Jahre Deutsche Gesellschaft für Philosophie“

Kein Kontinent definiert sich so sehr über die Ideen der Freiheit und des Rechts, wie Europa. Tag für Tag werden diese Werte gebetsmühlenartig repetiert. Sie stehen für die ideelle Einheit Europas, die es faktisch nicht gibt. Europa ist weder eine geographische noch eine sprachliche Einheit, es ist keine Nation. Es hat keine Verfassung. Wer zu Europa gehört, gehört es aufgrund dieser Ideen, man wird sozusagen europäisch per Vertrag.

Die Philosophie hat Europa geformt und verändert. Kein Zweifel, Europa ist tausendfach an seinen Idealen gescheitert. Die Philosophie Europas tut gut daran, sich noch einmal neu zu erfinden, die Geschichte der Ideen noch einmal neu zu schreiben und die zahlreichen Wegkreuzungen, an denen wir möglicherweise falsch abgebogen sind, erneut zu prüfen.

Nun braucht es eine Initiative, die das Scheitern der Vergangenheit nicht verleugnet, sich aus seinen Ressourcen erneuert, die Ideen Europas von den Grundlagen her neu denkt. Nur, wenn diese Neu-Erfindung gelingt, kann sich der europäische Geist wieder aus der Flasche befreien, sich selbst und seine Entscheidungen konsolidieren, und einen Einheit über die Nationalstaaten hinaus, schaffen.

Festansprachen 

Prof. Dr. Michele Nicoletti, Direktor der School of International Studies, Professor für Politische Philosophie an der School of International Studies, Trient, Italien: 

„Europa neu denken. ‚Le vrai génie de la diversité‘ und die Würde des Menschen“

„Europa als Hamlet“ – so bezeichnete Paul Valéry den alten Kontinent am Ende des Ersten Weltkriegs, als er über die Trümmer des Konflikts nachdachte. Mehr als hundert Jahre später scheint die gegenwärtige Situation Europas Hamlet’s Natur zu bestätigen. Doch heute ist eine Entscheidung unvermeidlich. Die Alternative betrifft die Freiheit Europas selbst. „Sein oder Nichtsein“ bedeutet heute, zu einem echten politischen Subjekt zu werden – sich als authentische politische Gemeinschaft zu konstituieren, das heißt, eine politische Einheit zu bilden, eine „Einheit der Entscheidung und der Wirkung“, wie Hermann Heller sagte. Dies setzt wirtschaftliche Zusammenarbeit, gemeinsame Verteidigung und eine gemeinsame geistige Grundlage voraus. Anlässlich des 75. Jahrestags des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, des Beitritts Deutschlands zum Europarat und des Deutschen Philosophischen Kongresses ist es an der Zeit, die gemeinsamen Inspirationsquellen Europas neu zu entdecken – indem wir zu seinen geistigen Wurzeln zurückkehren. Das bedeutet, in der heutigen Lage die Ideen der Pluralität, der menschlichen Freiheit und der verantwortlichen Macht neu zu durchdenken.

Prof. Dr. Heisook Kim, Präsidentin der International Federation of Philosophical Societies; Professorin emerita, Ewa University, Seoul, Südkorea:

 „75 Years of German Society for Philosophy“

I will reflect on the background through which German philosophy was introduced into East Asia, as well as its philosophical and political implications. My talk consists of 3 parts. German Philosophy in East Asia; Philosophy and Politics. One of the most intriguing aspects of the reception of German philosophy in East Asia is its close relationship with politics. The self-centered and active subjectivity emphasized in German Idealism provided ideological support for the Emperor-centered state ideology in Japan. Thirdly, Philosophy in Our Time. It seems that the philosophical pursuit of rigorous objectivity in knowledge no longer stimulates the intellectual curiosity of philosophers as it once did. Owing—perhaps both thanks and no thanks—to the rapid developments in cognitive science, neuroscience, and neurophysiology, philosophers have increasingly shifted their focus.

Prof. Dr. Dominik Perler, Professor für Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin; ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, Berlin, Deutschland:

„Freiräume für die Philosophie“

Die Philosophie wird im heutigen Europa zunehmend ökonomisch und teilweise auch politisch eingeschränkt. Wie ist darauf zu reagieren? Als Fachgesellschaft sollte die DGPhil die Freiräume der Philosophie verteidigen: einerseits indem sie die Institutionen stärkt, in denen Philosophie betrieben wird, andererseits indem sie den grenzüberschreitenden Austausch zu philosophischen Grundfragen fördert. Zu diesen Fragen gehören auch jene nach Identität und Gerechtigkeit, wie an einigen Beispielen verdeutlicht werden soll.

Musikalische Darbietung

Uli Lettermann & Band

Thinking Europe Anew.

75 years of the German Society for Philosophy.

Seventy-five years ago, Germany was admitted to the Council of Europe. The German Society for Philosophy was also founded 75 years ago. We are celebrating this anniversary with our event: Thinking Europe Anew‘.
The Council of Europe’s ideals of the rule of law, human rights and democracy are the result of centuries of controversy. The European idea and the values it represents cannot be understood without reference to the great European philosophical tradition.
The motto of the event celebrating the 75th anniversary of the German Philosophical Society is therefore to reconsider Europe’s philosophical tradition in light of current challenges.

Welcome Addresses

Prof. Dr. Matthias Bauer, President of Paderborn University

Prof. Dr. Ruth Edith Hagengruber, President of the German Society for Philosophy

Ceremonial Addresses 

Prof. Dr. Michele Nicoletti Director of the School of International Studies, Professor of Political Philosophy at the School of International Studies, Trient, Italy

Prof. Dr. Heisook Kim, President of the International Federation of Philosophical Societies; Professor emerita Ewha University, Seoul, South Korea

Prof. Dr. Dominik Perler, Professor of Philosophy, Humboldt- University; former President of the German Society for Philosophy, Berlin, Germany

Musical Interlude

Uli Lettermann & Band

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